Montag, 06.09.2010
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Tumi And The Volume
"Entscheide Dich für einen Traum" - das ist die klare Botschaft der südafrikanischen HipHop-Kombo Tumi And The Volume. Was in Johannesburg vor fast zehn Jahren bei einer entspannten Jamsession begann, sollte sich bis heute zu einer der erfolgreichsten und bekanntesten Bands der Regenbogennation entwickeln. Funky-jazziger HipHop verquirlt mit Afrobeat, Pop und Reggae-Beats von "The Volume" treffen auf die ausdrucksstarken, poetischen Spoken Word Texte von Dichter und Rapper Tumi Malokane. Einmal mehr vertont und versinnbildlicht ihr mittlerweile drittes Album "Pick A Dream" das harte wie abwechslungsreiche Leben in Südafrika. 5Planeten-Reporterin Rebecca Nowak hat Frontmann Tumi während ihrer Promo-Tour durch Frankreich im Hotel angerufen.
In Melville, im Viertel der Bohème in Johannesburg, eröffnete Anfang der 90er ein kleiner, loungartiger Jazz- und Afrobeatclub seine Türen und wurde zur Spielwiese von bekannten und unbekannten Jazzheads der lokalen Szene. "Bassline", der Club mit dem Untertitel "In Music We Trust" entwickelte sich über die Jahre zu einer der wichtigsten Musikinstitutionen Südafrikas und lockte Musiker und Künstler von überall her. Paulo Chibanga und Tiago Paulo aus Mosambik, der eine verantwortlich für polyrhythmische Beats und Snares, der andere ein virtuoser Gitarrist, und David Bergmann, der sanft am Bass klampft, formierten zu Beginn der 00er im heute legendären Bassline Club die Hausband. Als der Tansanianer Tumi Malokane, ein muslimischer Poet und MC, damals bei einer Jamsession das Mikrofon übernahm, war sehr schnell klar, dass gerade eine neue Band aus dem vielschichtigen Musikuntergrund in Johannesburg den Weg nach oben antritt: Tumi And The Volume. Ihr Stil ist schwierig zu beschreiben, meint Tumi. "Man könnte es HipHop nennen, aber auch nur, weil ich dazu rappe. Wir machen die Musik - die Leute entscheiden, was es ist". Ihr Sound wird durch die vielen Einflüsse der einzelnen Bandmitglieder geformt: funky Jazz, Afrobeat, und afrikanischer Pop verschwimmen mit Dub, Rock, Samba und Swing. Von allem eben ein bisschen, was die südafrikanische Musikwelt so abwechslungsreich macht. Und über all dem schwebt die warme und eindringliche Stimme von Frontmann Tumi, der die Inspiration für seine Rap Lyrics aus dem Alltag schöpft. "Südafrika ist ein interessanter Ort zum Schreiben", sagt Tumi, der die Menschen in seiner Wahlheimat in den letzten 20 Jahren durch drei Phasen gehen sah: "Erst das Ausbrechen aus dem Apartheid-Regime, dann herrschte viel Feierstimmung und pure Euphorie über die neugewonnene Freiheit, bis hin zu heute, wo sich alles nur um's Geld dreht". Man könnte ihn als poetischen Sozialkritiker bezeichnen, der mit Hilfe des Klanguniversums seiner Band der südafrikanischen Gesellschaft den Spiegel vorhält.
Als Live-Band geboren sollte auch das erste Tumi And The Volume Album genau diese elektrisierende Atmosphäre vermitteln. "Live at The Bassline" erschien nach zwei Jahren künstlerischer Zusammenarbeit und ist ein Stück südafrikanische Jazzgeschichte. Das erste Studioalbum "Tumi And The Volume" katapultierte die Band auf internationale Bühnen zusammen mit anderen HipHop-Helden wie K'Naan, Blk Sonshine, Saul Williams oder The Roots. Dieses Jahr meldete sich die renommierte Band aus Jo-burg endlich mit der zweiten Studioproduktion zurück und knüpft mit "Pick A Dream" nahtlos an ihre Erfolgsgeschichte an. Thematisch geht es hier diesmal um Entscheidungen: "Du entscheidest wer Du sein möchtest. Du entscheidest, ob Du das Bestmögliche Deiner selbst sein willst oder aber die beste Nachahmung von jemand anderem. Es ist ein Album über Entschlüsse und auch über den Weg dorthin", philosophiert Tumi über die Message des Longplayers - entscheide Dich für einen Traum! Musikalisch gesehen ist das Album im Vergleich zu den früheren Produktionen ein bisschen glatter und "polierter", wie es der Wortjongleur beschreibt. Während die ersten beiden Platten mit sanften Gitarren- und Streichermelodien zum gechillten Dahinträumen einluden, bekam "Pick A Dream" durch pulsierende Beats und Raps einen poppigeren Anstrich und ist absolut clubtauglich. Dafür verantwortlich ist das Produzententeam TnT, die auch schon auf Tumis zweitem Soloalbum "Whole Worlds" aus 2009 mitmischten.
In Südafrika kollidieren und verflechten sich sämtliche HipHop-Varianten aus aller Welt und bilden somit einen eigenen, kleinen Musikmikrokosmos - genauso farbenfroh und vielfältig wie die Regenbogennation selbst. Und Tumi zählt sie alle auf: Dance HipHop, poppiger HipHop, Underground HipHop, Leftfield und auch elektronisch Angehauchtes. Vergleichbar mit der US-amerikanischen Szene. Der Soundraum dieses Universums ist aber auch von Großstadt zu Großstadt unterschiedlich. Kapstadt lebt mehr von einer regelrechten HipHop-Bewegung, durch B-Boys, Graffiti-Künstler und eine urbane Live-Landschaft. "Wenn hier einer rappt, dann tut er das vermutlich mit einer Live-Band", sagt Tumi. In seiner Stadt, Johannesburg, ist alles viel kommerzieller ausgerichtet. "Da wollen die Leute nur CDs verkaufen, sie rappen für Geld, das wirkt sich natürlich auch auf den Sound aus".
Das Album "Pick A Dream" mag vom Stil her tanzbarer und unbeschwerter klingen, Tumis Dichtkunst ist jedoch messerscharf und bissig wie immer. Auch hier werden gesellschaftskritische Pamphlete gerappt, die südafrikanische Lebensart portraitiert und poetische Fragen gestellt. Das Lied "Reality Check" meint zum Beispiel genau das: checke Deine Wirklichkeit, versuche Dein Leben so ehrlich wie möglich zu leben. "Limpopo" soll wachrütteln und die Menschen zu Entscheidungen anstoßen, untermalt von der verspielt gespielten Gitarrenmelodie von Tiago Paulo, die die traditionelle Musik der Region Limpopo im Nordwesten Südafrikas repräsentiert. Der Song "Asinamali" ist nach einem Ausruf benannt, der in den 80ern in Südafrika zum Schlachtruf wurde: Wir haben kein Geld! "Hier ist es als sarkastische Frage gemeint", erklärt Tumi, "ich kann nicht beurteilen, ob es das Geld ist, das die Leute um den Verstand bringt, oder ob es an den vielen Dingen liegt, die auf der Welt einfach falsch gelaufen sind, verursacht von Leuten, für die Geld das A und O ist". Beim eindringlichen Lied "Light In Your Head" wird der Dichter und Denker allein von Tiagos gefühlvoll gezupfter Akustikgitarre begleitet, während Tumi über Angst und Unsicherheit rappt, und darüber, dass sich die Menschen nicht ihres ganzen Potenzials bewusst sind. Die Band feiert aber auch gern sich selbst - mit der eigenen, smoothen HipHop-Hymne "Number Three", die für die fast zehnjährige Bandhistorie und den dritten Albumrelease zum Tanzen einlädt. Auf dem dubartigen Tune "Through My Sunroof", untermauert mit dramatischen Streichern und elektronischen Soundgefilden, rappt Tumi mit schneller Zunge über einen Typ, der aufgrund seines Erfolgs den Kopf verloren hat - und ihn wiederfinden will. Dieses Lied bezieht sich auch auf das Cover Art von "Pick A Dream", ein gezeichnetes Bild des französischen Graphik-Künstlers Hippolyte.
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