Samstag, 04.09.2010
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Drugchecking in Europa
In sämtlichen Ländern Europas wird es schon praktiziert - Drugchecking. Die chemische Analyse illegaler Rauschmittel kann Leben retten und deshalb setzt sich die Drugchecking-Initiative Berlin Brandenburg dafür ein, dass Drugchecking auch in Deutschland möglich ist.
Getragen wird die Drugchecking Initiative Berlin Brandenburg von der Deutschen Aidshilfe, Bündnis 90/ Die Grünen, der Linken, verschiedenen Suchthilfeeinrichtungen und dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Und das Ziel der Initiative ist klar: die ausführliche Analyse illegaler Drogen in Deutschland möglich zu machen um so heraus zu finden ob gefährliche Beimischungen in den Drogen enthalten sind.
Im letzten Jahr sind europaweit acht Menschen gestorben weil Heroin mit Anthrax (Milzbrand) gestreckt wurde. 2007 mussten sich in Leipzig 35 Menschen im Krankenhaus behandeln lassen, weil Marihuana mit Blei versetzt wurde. Illegal produzierte und auf dem Schwarzmarkt gehandelte Drogen unterliegen eben keinem Gütesiegel und keinerlei Qualitätskontrolle. Daher sieht der Pharmazeut und Drugchecking-Mitinitiator Tibor Harrach auch eher die Chancen als die Gefahren:
Tibor Harrach: "Ich sehe viele Chancen im
Drugchecking. Einmal einen effektiven Gesundheitsschutz zu
bewerkstelligen, dann die Reichweite der Drogenberatung zu
erweitern aber auch letztendlich, wenn man weiß was drin ist und
wieviel drin ist, dass man den Leuten ermöglicht ihren eigenen
Konsum selber zu kontrollieren. Das halte ich auch für sehr wichtig
und das sind für mich die großen Chancen beim Drugchecking.
Negative Auswirkungen kann ich nicht feststellen. "
Kritiker meinen dagegen, dass Drogen nicht strafffrei auf
Gefährlichkeit geprüft werden sollen, weil dadurch eine
Scheinsicherheit suggeriert würde und so die Hemmschwelle fallen
werde.
Unsere europäischen Nachbarn sind da aber anscheinend weniger skeptisch. In Europa gibt es eine ganze Menge Länder in denen Drugchecking Programme praktiziert werden. In Portugal, Spanien, Frankreich, Tschechien, Österreich, Schweiz, Belgien und in den Niederlanden sogar flächendeckend. D.h. in 30 verschiedenen Städten gibt es Labore und Institute in denen man seine Proben anonymisiert abgeben kann. Darüber hinaus gibt es in Österreich und Frankreich auch mobile Labors, die dahin gehen wo die Drogen konsumiert werden und wo die Ergebnisse dann innerhalb weniger Minuten mitgeteilt werden. Die Erfahrungen sind so gut, dass die meisten Programme inzwischen von staatlicher Seite gefördert werden. Und da will Tibor Harrach mit der Drugchecking Initiative Berlin Brandenburg natürlich auch hin.
Tibor Harrach: "Alle haben eben die Erfahrung gemacht, dass sie Konsumentengruppen erreichen, die sie vorher nicht erreicht haben. Das sie gefährliche Substanzen identifiziert haben von denen sonst keiner Wüste, dass sie über haupt in den Drogen drin sind und entsprechend kann man dann beraten oder notfalls auch mal warnen. Und man kann die ganze Prävention, die ganze Drogenberatung wissenschaftlich fundiert abgesichert gut kommunizieren."
Ob aber auch in Deutschland bald Rauschmittel-Tests möglich sind, hängt stark vom Ausgang der nächsten Berliner Landtagswahl im Herbst 2011 ab. Die Drugchecking Initiative Berlin Brandenburg hofft ab der nächsten Legilaturperiode ein wissenschaftlich begleitetes Modellprogramm in Berlin auf die Beine stellen zu können.
AutorIn: Manuel Agostinho
Drugchecking in Europa
drugchecking.eu
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