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Trokosi
Buchtipp vom 03. März 2010
So langsam wird es ernst mit der Globalisierung der
Kriminalliteratur: Der Roman "Trokosi" ist in Ghana angesiedelt, in
der Hauptstadt Accra, vor allem aber in der Volta-Region im
Südosten des westafrikanischen Landes, gelegen an der Grenze zu
Togo. Eine Gegend, die für ihren Kakao, ihren Kaffee und
hierzulande auch für ihre kurzfristige Vergangenheit als deutsche
Kolonie bekannt ist, nicht aber als Hort irgendeiner Art von
Genreliteratur.
Dass sich das jetzt ändert, ist einem jungen Mann mit ghanaischem
Vater und afro-amerikanischer Mutter zu verdanken, der in Accra
aufwuchs, später aus politischen und familiären Gründe nach New
York emigrierte, heute im Hauptberuf als Arzt in
Pasadena/Kalifornien arbeitet: Kwei Quartey, der frühmorgens
schreibt und tagsüber Menschen heilt.
"Trokosi" ist Quarteys Debütroman, und er erzählt von einem Fall des Kriminalpolizisten Darko Dawson, der aus der Hauptstadt in die Provinz gerufen wird, weil dort eine junge Frau ermordet wurde, die nicht nur eine begabte Medizinstudentin, sondern auch für das nationale Anti-Aids-Programm aktiv war, weshalb dem Fall besondere Aufmerksamkeit von oben beigemessen wird. Bald ist ein Verdächtiger gefunden, die lokalen Ermittler wollen den Fall abschließen. Aber Dawsen ist ziemlich sicher, dass der junge Mann, der die Ermordete anbetete, nicht der Täter gewesen sein kann, auch wenn man bereits ein Geständnis aus ihm heraus geprügelt hat. Dawsen hat andere im Visier, einen örtlichen Kräuterheiler zum Beispiel, außerdem Gladys Chef im Anti-Aids-Programm - und den örtlichen Priester Togbe Azima. Der lebt mit mehreren Frauen zusammen, die ihm im Teenageralter als Opfergabe überlassen wurden, den so genannten "Trokosi", die dem Buch den Titel geben. Und Togbe Azima, das findet Dawsen heraus, hat ein düsteres Geheimnis.
Die Karten scheinen klar verteilt, die Auflösung kommt dann
trotzdem sehr überraschend. Sehr vielschichtig erzählt Kwei Quartey
in seinem geschickt angelegten Kriminalroman von den verschiedenen
gesellschaftlichen Schichten und Milieus eines Landes, das sich im
steten Wandel befindet: Hier die urbanen Lebensformen in der sich
modernisierenden Gesellschaft der Städte, da die alten Rituale und
Gebräuche, die hinter der Fassade des Neuen weiter ihren Einfluss
behalten, besonders Zauberei und Hexerei der Heiler und
Voudouisten, die in Ghana wie in vielen anderen Ländern Afrikas das
Leben in starkem Maße prägen. So entsteht ein spannendes,
vielfältiges, dynamisches Bild der ghanaischen Gesellschaft, das
auf die üblichen Afrika-Klischees komplett verzichtet.
Man merkt, dass Kwei Quartey sich mit den Erzählmustern der
Kriminalkultur gut auskennt. Wie er diese Muster anwendet, um mit
ihrer Hilfe seine ghanaische Geschichte zu erzählen, das ist zwar
nicht immer perfekt konstruiert, funktioniert im Großen und Ganzen
aber erstaunlich gut. Gewagt - und gewonnen.
Entscheidend ist in diesem Fall vermutlich aber sowieso, was hinten
rauskommt: Ein Thema, das an sich kaum jemanden interessiert, wird
im Krimigewand plötzlich zu einem Hingucker, den hierzulande -
ausgerechnet - der leicht spießige Publikumsverlag Lübbe in coolem
Design als möglichen Kracher vermarktet. Besten Dank also an den
schlauen Kwei Quartey: Auch Afrika kann ein Thema für den
Mainstream sein. Man muss bloß wissen, wie.
Autor: Ulrich Noller
| Titel | Trokosi |
|---|---|
| Buchautor | Kwei Quartey |
| Verlag | Lübbe, 2009 |
| ISBN | 978 3 785 760 192 |
| Preis | 14,99 Euro |

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