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CD der Woche 22. Februar 2010

Bibi Tanga: "Dunya"

Bibi Tanga

Nat Geo

CD Cover :Bibi Tanga: "Dunya"; Nat Geo Bild vergrößern

Bibi Tanga: "Dunya"

Funk aus Frankreich? Ja, den gibt es. Bienvenue alias Bibi Tanga heißt der Botschafter des Funk à la Francaise, als solcher wird er jedenfalls in den Clubs von Paris gefeiert. Sein Album "Dunya" macht deutlich, warum.


Manchmal brummt Bibi Tanga wie einst Barry White, dann wieder singt er Falsett wie Curtis Mayfield oder Prince. Er spielt Saxophon und Gitarre, vor allem aber einen sinistren Bass. Außerdem beherrscht er den Stepptanz. Und Lampenfieber kennt er nicht, denn seine ersten Auftritte hatte er buchstäblich auf der Straße, als Musiker in der Métro von Paris.

Auf seinem Album "Dunya" bringt das Multitalent nun US-amerikanische Retro-Grooves und europäische Tradition mit Afro-Futurismus zusammen. Von Spoken Word-Poetry über Afrobeat bis knochentrockenem Funk beherrscht er die ganze Palette schwarzer Musikstile, manchmal klingt es auch nach Acid-Jazz, Disco und Soul. Hinzu kommen musikalische Anleihen bei nostalgischem Swing, die sein Partner, der DJ und Produzent Le Professeur Inlassable, in Form von Sample-Zitaten einstreut.

Manchmal klingt das, als hätte jemand an seinem Radioknopf gedreht und als hätten sich die Frequenzen aus Versehen überlagert, wenn ein fingerschnippender DooWop-Chor und Old-School-Rap auf Swing-Samples von zerkratzten Schellack-Platten trifft. Diese Musik lässt vor dem geistigen Auge seltsame Szenen erscheinen: B-Boys, die sich im Stepptanz versuchen und zu alten Grammophon-Klängen ihre Breakdance-Bewegungen proben. Oder ein Gangster-Rapper, der sich nach einer durchzechten Nacht im Moulin Rouge noch ein Gläschen Rotwein im Bistro nebenan gönnt.

Andere erinnert es an Frank Zappa. "Red Wine", in Frankreich als Single aus dem Album ausgekoppelt, bringt einen unglaublich lässigen Groove, zurückgelehnten Rap und nostalgische Swing-Zitate. Der Song ist ein gutes Beispiel für die stilistische Bandbreite von Bibi Tanga uns seiner Band Les Selenites. Auf dezente Art werden auf "Dunya" von überallher Anspielungen und Verweise eingestreut. Überhaupt ist das Album ein Fest für Audiophile, die sich auf fröhliche Quellensuche machen können.

Bibi Tanga kam als Sohn eines Diplomaten aus der Zentralafrikanischen Republik in Paris zur Welt. Schon als Kind kam er viel herum und wuchs in Moskau, Washington und New York auf. Doch maßgeblich beeinflusst hat ihn die Plattensammlung seines Vaters, die er wie eine Bibliothek studierte. James Brown, Fela Kuti oder Manu Dibango gehörten dazu, auch viel Disco und Soul. Die Früchte, die diese frühkindliche Bildung getragen hat, lassen sich auf "Dunya" nachhören.

Seit 2003 arbeitet Bibi Tanga mit dem DJ und Produzenten Le Professeur Inlassable zusammen. Der "Unermüdliche Professor" zeichnet für die vielschichtigen Soundcollagen auf "Dunya" verantwortlich, die fast jeden Song zu einem Hörerlebnis machen. Für Bibi Tanga hat der Groove-Archäologe unter den Pflastersteinen von Paris den Klang einer anderen Ära zutage gefördert.

Die Swing-Zitate, die sich auf "Dunya" über mehrere Songs verteilen, erinnern an die Zeit von Edith Piaf und Jacques Brel. "Dunya" ist das arabische Wort für Welt, in der zentralafrikanischen Sprache Sango bedeutet es so viel wie "Existenz". Auf diesem Album bringt Bibi Tanga mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit weit auseinanderliegende Zeiten und Orte zusammen. Tänzelnd schlägt er eine Brücke über den atlantischen Graben, der die USA von Europa und Afrika trennt, und fügt deren musikalische Landschaften zu einem neuen Kontinent zusammen.

Und ebenso elegant verbindet er das Gestern mit dem Morgen, den Look und das Lebensgefühl eines Swingkids aus den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts mit einem afroamerikanischen und afrikanischen Retro-Sound, der seine Wurzeln in den siebziger Jahren hat. Das ganze fügt sich zu einer futuristischen Vision für das neue Jahrtausend, wo geographische und kulturelle Barrieren keine Rolle mehr spielen, weil sie in der Gleichzeitigkeit des Internet-Zeitalters aufgehoben sind.



Autor: Daniel Bax


TitelBibi Tanga: "Dunya"
VertriebNat Geo
BestellnummerNGM 0004 ADV


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