Freitag, 30.07.2010
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Funkhaus Europa
World Wide Music
CD der Woche: "The Trouble Soup"
Man stelle sich vor, es gäbe einen Flohmarkt, auf dem ausschließlich alte Keyboards und sonstiges Musik-Equipment angeboten würden. Es wäre für Ambrus Tövisházy das absolute Paradies. Der ungarische Produzent sammelt aber nicht nur Tasteninstrumente aus den siebziger Jahren, sondern auch Musik, die damals entstanden ist.
Sein Vater hatte den kleinen Ambrus vor rund 30 Jahren mit Soul und Rockmusik der obskureren Art bekannt gemacht, mitgeschnitten aus dem ungarischen Radio. Sogar Afrobeat war dabei und sollte für Ambrus eine wichtige Richtung aufzeigen. "Afrobeat ist wunderbar, kraftvoll und für mich das Wichtigste, was sich in der Popmusik des 20. Jahrhunderts ereignet hat"!
Nach 1989 entdeckte der Budapester u.a. Beck, freigeistige Bands wie "Soul Coughing" und "Stereolab", die ihn stark beeinflußten. So wurde das Fundament gelegt für die sogenannte "Erik Sumo Band". Dieser kleine, musikalische Wurm aus Ungarn schlängelt sich jetzt wieder in unsere Gehörgänge - mit mehr Druck und noch mehr irrwitzigen Ideen als auf dem Vorgängeralbum "My Rocky Mountain".
Erik Sumos Suppentopf ist immer kurz vor dem Überkochen. Und wie
immer ist man auf der Suche nach dem kleinen Glück, nach ein
bisschen Spaß und dem "let loose-Gefühl", das man eigentlich gar
nicht beschreiben kann - sondern erlebt haben muss. Wer sich noch
zurückerinnert an die Funkhaus Europa-Silvesterparty vor einigen
Jahren mit dieser Erik Sumo Band, der hat noch Jahre später ein
Lächeln auf dem Gesicht.
Irgendwie hatte einen diese Combo sofort verzaubert. Woran das lag?
Unter anderem an der Sängerin Erzsi Kiss, die das Publikum
verblüffend schnell um den Finger gewickelt hatte. Und zwar mit
einem Trick, nämlich einer eigenwilligen Gesangssprache, die gern
für pseudo-französisch gehalten wird.
"Franzosen denken wiederum, das sei bulgarisch", erklärt Ambrus. Gleich auf dem zweiten Stück von "The Trouble Soup" zündet Erzsi mit dem knalligen "Secon" eine Rakete. Das rockt und es schimmert sofort die Live-Energie der Erik Sumo Band durch. Die zweite Vokalistin heißt Veronika Harcsa, eine Jazzsängerin, die auch in der Band des Italieners Nicola Conte aktiv ist. Sie ist die Frau für die feingeistigeren Stücke des Albums. Ambrus Tövisházy selbst hat es sich nicht nehmen lassen, selbst das Mikrofon in die Hand zu nehmen.
Auf der Single "Disco in my head" und dem Schlußstück "Sleep well Octopus" zelebriert er - ganz der Liedermacher - kleine Hymnen auf seine junge Familie. Der frischgebackene Vater sagt übers Musikschreiben: "Wenn es ein guter Song wird, merkt man schnell daran, dass er eine Eigendynamik entwickelt, seinen Weg findet und sich schließlich sich selbst zum Leben erweckt, wie ein kleines Baby". Für die Gesangsaufnahmen wählt Ambrus einen unkonventionellen Weg: "Ich öffne alle Fenster und Türen, so dass die Geräusche in den Raum dringen und dadurch mit aufgenommen werden". Luftig klingts tatsächlich. Aber vor allem gibt's den "Wumms", den man sonst nur von Livekonzerten kennt, schon auf dem Album.
"Schlagzeug und Bass müssen krachen!". Auf dem Titelstück "The trouble soup" ist das exemplarisch zu hören: nie war mehr Rockabilly in einem Popsong verborgen. Und was ist mit der Anspielung im Titel auf all den Ärger? Fragt man Ambrus also nach der aktuellen Krise in Ungarn, dann verweist er auf den Songtitel "Little worm from hungary".
Dieser kleine Wurm beißt sich nämlich durch und findet dann
schließlich doch ein Goldstück. Genauso beharrlich wird diese Band
ihren Weg machen und schon bald wieder vielen Menschen ein Lachen
ins Gesicht zaubern. Das Glockenspiel-Intro ist übrigens der
ungarischen Hauptstadt Budapest gewidmet.
Die Band lästert darin über die hässlichen Seiten der Stadt, die
für Touristen oft unsichtbar bleiben. Für alle, die davon nicht
abgeschreckt werden und gern nach Budapest kommen, hat Ambrus noch
zwei Geheimtipps parat: den großen Flohmarkt im Stadtpark und den
tollen Antikmarkt "Ecseri" im 19. Bezirk. Falls man sich trifft:
Tövisházy hat garantiert ein frisch erstandenes altes Keyboard
unterm Arm!
Autor: Stefan Müller
| Titel | "The Trouble Soup" |
|---|---|
| Vertrieb | Le Pop Musik |
| Bestellnummer | LPM 26 |
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