Freitag, 30.07.2010
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Funkhaus Europa
World Wide Music
Künstlerlexikon
Gnahoré, Dobet
Vorgestellt am 19.02.07 in Funkhaus Europa
Livemitschnitt vom Dobet Gnahoré Konzert am 22.08.07
beim Art De Huy Festival gesendet am 19.12.08 in World Live
Das ivorische Künstlerdorf Ki-Yi Mbock ist eines der kreativsten Pflaster des gesamten schwarzen Kontinents. Etliche zukünftige Stars wie Sally Nyolo oder Manou Gallo haben dort ihre Reifejahre absolviert. Dobet Gnahoré ging in der Kommune fast zwangsläufig vor Anker, denn ihr Vater Boni, Trommelmeister und Sänger, ist Mitte der 1980er einer der Mitbegründer der Künstlersiedlung gewesen. Dobets Ausbildung, ausgehend von der Tradition der Bété, ist allumfassend und sie belegt im Dorf alle künstlerischen Disziplinen.
Mit dem französischen Gitarristen Colin Laroche, auch ihr privater Partner, bricht sie 1999 zunächst im Duo zu neuen Ufern auf, musikalisch und auch geographisch, denn aufgrund des Bürgerkrieges wird ein Ausweichen nach Frankreich notwendig. Eine Kollaboration mit den Guineern von Ba Cissoko entfaltet sich nebenbei.
Im neuen Millennium kehren die beiden nach Abidjan zurück, erregen Aufmerksamkeit auf dem MASA-Festival und spielen einige Tracks mit dem Produzenten Marcellin Yacé ein. Als Yacé bei neuen Tumulten ums Leben kommt, siedelt das Paar endgültig nach Frankreich über und kreiert mit vergrößertem Ensemble eine panafrikanische Sprache, die die Roots der Elfenbeinküste wie den Ziglibiti, Pygmäengesänge, Bikutsi aus Kamerun und Rumba kongolesischer Färbung zu einem cleveren Afro-Pop mit Tiefgang eint. Im Zentrum stets die Vokalkunst der Ivorerin: Stolz und herausfordernd, fast konfrontativ ist die voluminöse Altstimme, von inbrünstiger Klage einer Trauerenden bis zur schonungslosen Kritik an den Bürgerkriegstreibern reicht die textliche Palette, die sie in verschiedenen Idiomen wie Bété, Dida, Wolof, Fon oder Lingala ausbreitet.
Zwischen den aktuellen Themen auch immer wieder die Berufung aufs Animistische; Daumenklavier, Kalebasse und Balafon üben den Dialog mit Gitarre und Bass. Oft zitierte Vergleiche mit Angélique Kidjo sind zwar schmeichelhaft, hinken aber, da Dobet auf einen fast rein akustischen Sound setzt. Worin Gnahoré ihrer Schwester aus dem Benin jedoch wesensverwandt ist, ist ein ungetrübter, resoluter Optimismus.
AutorIn: Stefan Franzen
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