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Künstlerlexikon Portrait

Rupa & The April Fishes

Herkunft: USA
Rupa & The April Fishes; Rechte: Rupa & The April Fishes Bild vergrößern

Rupa & The April Fishes: eXtraOrdinary rendition

vorgestellt am 19.05.08 in Funkhaus Europa

Eine Inderin, die in den USA lebt und auf Französisch singt, das soll ihr erst einmal jemand nachmachen! Rupa Maryas Leben ist ein geografischer und kultureller Schlingerkurs, bei dem sie von einer Sprache in die andere, von einer Lebensart, einer Gesellschaftsform in die nächste purzelte: Sie ist als Tochter von Eltern aus dem Punjab in der San Francisco Bay Area geboren, wurde aber schon mit 4 Jahren zurück zu ihren Großeltern nach Nordindien geschickt. Nachdem sie dort die ersten Schuletappen absolviert hat, holt die Familie, die inzwischen in Südfrankreich lebt, die zehnjährige Göre von Asien nach Europa.

Doch jetzt ist Rupa wieder da, wo sie zur Welt kam, im Mission District von San Francisco, einem Viertel, in dem viele Immigranten und politische Flüchtlinge aus Süd- und Mittelamerika leben, Chilenen, Mexikaner, Costaricaner, Puertoricaner, ... und unzählige Künstler und Musiker. Rupa hat enge Verbindungen zu beiden gesellschaftlichen Gruppierungen, mit den einen steht sie abends auf der Bühne in Clubs und Theatern oder sitzt mit ihnen im legendären Revolution Cafe. Die anderen sind ihre Patienten, denn die Frau mit den pechschwarzen Locken ist nicht nur Musikerin, sondern auch Ärztin für Innere Medizin in einer Krankenhausambulanz und besonders engagiert im Bereich medizinische Versorgung von legalen und illegalen Einwanderern. "Für mich ist es, als ob Medizin und Musik bei mir denselben Ursprung haben. Beides kommt aus derselben Quelle, aus meiner Neugier für Menschen, für das, was sie am Leben hält und wie sie sich angesichts des Todes fühlen. Ich war anfangs hin und hergerissen. Mein Vater sagte mir, daß der Arztberuf etwas Ernsthaftes sei und Musik nur ein Hobby." Rupa war sauer, daß jemand ihre Leidenschaft ein Hobby nannte und ließ nicht locker. Mit gutem Grund: Die Großmutter, ein musikalisches Talent der Extraklasse, hatte das absolute Gehör und eine wunderschöne Stimme, wurde jedoch von ihrer Familie verheiratet und mußte den Wunsch Musikerin zu sein, begraben. Die Mutter war angehende Konzertpianistin, als auch sie mit 19 in einer arrangierten Ehe landete und aufgab. Jetzt verwirklicht Rupa Marya mit ihrem Debutalbum gleich die Träume von drei Frauen aus drei Generationen.

Nimmt man die verschiedenen Zutaten aus Rupa Maryas Leben und gibt noch ein paar Spritzer indische Philosophie, eine Messerspitze angloamerikanischen Folk, eine Handvoll Saudade und ein paar große Esslöffel kritischen Geist dazu, dann hat man in etwa das Rezept für ihre Songs. Auf der Basis einer instrumentalen Besetzung mit Gitarre (die sie selbst spielt), Trompete, Cello, Akkordeon, Bass, Glockenspiel, Schlagzeug, Bandoneon, E-Kontrabass, erzählt Rupa mal mit Lolita-Stimme, mal mit schwerer Melancholie-Schlagseite, mal mit erotischem Unterton ihre Geschichten.

Die Sängerin und Musikerin veranstaltet auf "eXtraOrdinary rendition" unterstützt von ihrer genialen Band The April Fishes ein Musiktheater in 13 Akten, mit einer ganz und gar eigenwilligen Mischung aus Musette, Milonga und Mariacchi, aus Ballade und Balkan, Chanson und Klassik, Torture-Song, Shanty, Swing und Nino Rota-Stimmungen. Mit wenigen Ausnahmen singt sie Französisch und wie für alles gibt es auch dafür bei Rupa einen Grund: "Ich habe nach dem 11.September 2001 angefangen auf Französisch zu singen, als mir auffiel, wie dieses Land auf die Tragödie der World Trade-Towers und den Angriff auf die USA mit einer gewissen Arroganz reagierte und mit der Angst vor allem Unbekanntem. Ich kann zwar die Angst nachvollziehen, aber was mir wirklich zu schaffen machte, das war das Fehlen einer tieferen Analyse, warum diese Dinge geschehen. Und ich wollte so singen, daß die Leute angeregt werden, über ihren Tellerrand hinauszuschauen."

Dazu gehört auch, daß die US-Amerikaner, die Rupa hören jetzt wissen, was ein Aprilfisch ist. Der Begriff kommt aus dem Französischen (poisson d'avril) und bezeichnet einen ganz besonderen Aprilscherz, bei dem man sich kleine Papierfische auf den Rücken klebt.


Discographie:

  • eXtraOrdinary rendition (2008)
  • Este mundo (2009)


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