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Künstlerlexikon Portrait

Shantel

Herkunft: Deutschland
Shantel; Rechte: WDR

Shantel

vorgestellt am 24.09.07 in Funkhaus Europa

Als Meister des Downtempo und DJ mit Vorliebe für Brasil-Sounds war der 1968 in Frankfurt a.M. geborene Stefan Hantel aka Shantel schon jahrelang gut im Geschäft gewesen. Sein Club Lissania Essay brachte Elektro mit einem Schuss Multikulti an den Main, Teamworks mit Kruder & Dorfmeister flankierten diese Zeit. Die Alben, die er ab 1994 veröffentlichte, kultivierten eine relaxte urbane Tanzmusik mit Soul- und Dub-Untertönen. Diese Phase gipfelte im "Greatdelay", das er teils mit einem Orchester aus Tel Aviv aufnahm.

Die Einladungen aus Osteuropa wurden zahlreicher, und eine dieser DJ-Reisen verband er schließlich mit einem Besuch im - heute - ukrainischen Czernowitz, der Heimat seiner Großeltern, für ihn bislang nur ein Mythos von aberwitzigen Völker- und Sprachen-Kombinationen. Dort fiel es ihm wie Schuppen von den Augen und er unternahm einen recht dramatischen Schwenk in seiner musikalischen Vita. "Allmählich habe ich beim Gang durch die Straßen von Czernowitz den alten Geist dieses anarchischen, rebellischen Nebeneinanders nachvollziehen können. Ein Gegenentwurf zur Gleichmacherei in unserer anglo-amerikanisch geprägten Kultur. Diesen Entwurf wollte ich als Szenarium für ein junges Publikum, das mit House und Techno aufgewachsen ist, in den Westen bringen. Daraus entstand die Idee zum Bucovina Club, wobei ich 'Bucovina' nun nicht mehr so sehr als geographischen Ort verstehe, sondern als Synonym für die Begegnung aller möglichen Nationalitäten und Stile", erzählt er im Interview.

Seit der Bucovina Club von Frankfurt ausgehend 2002 gestartet ist, hat er stetig höhere Wellen geschlagen. Kein Wunder, denn wer einmal Einblick in einen solchen Abend genommen hat, kehrt gerne wieder: Da gibt es Hits von der Fanfare Ciocarlia bis Bregoviæ, von Russland bis nach Israel, der Frankfurter "Balkan-Prince" verzahnt sie, peppt sie auf mit Dub und House.

Wie beschwipste Elefantenherden poltern die Blechbläser aus den Boxen, messerscharf kreisen bulgarische Frauenstimmen. Shantel präsentiert sich als unprätentiöser Zeremonienmeister, der leutselig die Refrains vom Pult aus mitsingt, zum Wetttrunk die Wodkapulle spendiert.

Das Publikum versucht sich an Kasachok, wildem Polka-Pogo und Bellydance. "Ich brauche keine Bassdrum, um die Leute zum Tanzen zu bringen!" ist Shantels Credo, und so kann es vorkommen, dass auch ganz traditionelle Töne vom Pult kommen: Etwa das berühmte rumänische Lerchenlied oder "Hava Nagila", pathetisch mitgesungen von bis zu 1000 Tänzern. Oft steht ihm auch das Bucovina Club Orkestar zur Seite, eine Liveband von Musikern aus Ex-Jugoslawien, Graz und Frankfurt. Auf CD hat Shantel seine Selektionen für den Club bislang in zwei Volumes verewigt, beide Stürmer der Weltmusikcharts. Neben der Russendisko von Vladimir Kaminer ist der Frankfurter sicherlich der Hauptverantwortliche dafür, dass Europas Clubs vom Folk-Virus infiziert sind - und ein Ende ist nicht in Sicht.


Discographie:

  • Club Guerilla (Shadow, 1997)
  • Auto Jumps & Remixes (Infracom, 1997)
  • Higher Than The Funk (K7, 1998)
  • Great Delay (K7, 2001)
  • Bucovina Club Vol.1 (Essay Rercordings, 2003)
  • Bucovina Club Vol.2 (Essay Rercordings, 2005)
  • Disko Partizani (Essay Recordings, 2007)
  • O.S.T. Auf der anderen Seite (Essay Recordings, 2007)
  • Planet Paprika (2009)

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